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Rezension zu „Die Hohenzollern einst und jetzt“, 26. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bonn 2014

von Dr. Albrecht Ernst

Das Büchlein, das die dynastische und territoriale Geschichte der Hohenzollern in Einzelbiographien nachzeichnet, ist ein erstaunlicher „Longseller“. Zählte die erste, 1952 vom Vater des Autors herausgegebene Auflage noch bescheidene 44 Seiten, so präsentiert sich die 26. Auflage in vierfach erweitertem Umfang. Die Anzahl der verkauften Exemplare liegt mittlerweile – für historische Veröffentlichungen gewiss nicht alltäglich – bei nahezu 100.000 Stück.

Fragt man, worauf diese verlegerische Erfolgsgeschichte zurückzuführen ist, so kommen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen ist es die politische Wirkmacht des Hauses Hohenzollern, die bis heute Menschen fasziniert und auf ein breites öffentliches Interesse stößt. Zum anderen ist es der Charakter der Publikation, die dem Leser ein übersichtlich gestaltetes Nachschlagewerk an die Hand gibt. Und nicht zuletzt ist es die geschickte Verbindung knapper, aussagekräftiger Texte und ansprechender Illustrationen, die zum neugierigen Blättern und zum Vertiefen des eigenen Wissens einladen.

Ihre Wurzeln haben die Hohenzollern auf der gleichnamigen, 1267 erstmals erwähnten Burg am Rande der Schwäbischen Alb. Über ihren Ruinen entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine der größten neugotischen Burganlagen Deutschlands. Sie befindet sich bis heute im gemeinsamen Eigentum der brandenburg-preußischen und der schwäbischen Linie des Adelsgeschlechts. Kurz, aber präzise werden die getrennten Wege der beiden Linien aufgezeigt, die mit der Erlangung der Burggrafschaft Nürnberg (um 1200) und der Belehnung mit der Mark Brandenburg (1415/1417) aus dem süddeutschen Raum weit hinausführten.

Den Kern der Veröffentlichung bilden Kurzbiographien der hohenzollerischen Kurfürsten, Könige und Kaiser vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Anschaulich zeichnet der Verfasser deren oft spannende Lebenswege nach, ordnet ihr politisches Wirken in das Zeitgeschehen ein und nimmt stets auch die territoriale Entwicklung Brandenburg-Preußens in den Blick. Sein besonderes Augenmerk gilt den Herrscherpersönlichkeiten von Markgraf Friedrich Willhelm, dem Großen Kurfürsten, bis hin zu Kaiser Wilhelm II., dessen Thronverzicht und Exil im niederländischen Doorn umsichtig beleuchtet werden. Nicht nur in genealogischer, sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht ist es verdienstvoll, dass sowohl die Nachkommen des letzten deutschen Kaisers als auch die Seitenlinien des Hauses Preußen und die fürstliche Linie des Hauses Hohenzollern eine bis in die unmittelbare Gegenwart geführte, gründlich recherchierte Darstellung erfahren.
Eine gelungene Abrundung erfährt das Buch durch kleinere Exkurse, die sich mit hohenzollerischen Schlössern und Residenzen, mit den brandenburg-preußischen Grablegen und der Deutung des vielgliedrigen Großen Wappens des Königreichs Preußen befassen.

Für jeden, der sich mit der Geschichte Preußens und seines Herrschergeschlechtes interessiert, bieten „Die Hohenzollern einst und jetzt“ einen fundierten, übersichtlichen Einstieg. Und zweifellos ist auch der fachkundige Historiker für dieses hilfreiche Arbeitsinstrument dankbar.
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